Wer sind Claude Cahun und Marcel Moore
Künstlerinnen, die auf Jersey gelebt, geliebt und gearbeitet haben – zu sehen in der Ausstellung vom 23. März bis 6. September 2015
Im Jersey Museum ist eine Ausstellung mit Original Fotos von Claude Cahun zu sehen sowie eine Dokumentation über das Leben der beiden Künstlerinnen, die 30 Jahre zusammen lebten und wirkten.
Erst in den späten 1980er Jahren wurde Claude Cahuns Werk zufällig auf Jersey wiederentdeckt. Sie gilt als eine der bedeutendsten Künstlerinnen des Surrealismus. Wie außergewöhnlich und beachtenswert sie war, kann nicht mehr richtig beurteilt werden, da der größte Teil ihrer Arbeit, ihre Texte und Bilder vernichtet wurden, als die Gestapo 1944 in ihr Haus auf Jersey eindrang und sie und Marcel Moore „ihr anderes ich“ verhaftete.
Claude Cahun und Marcel Moore (mit bürgerlichen Namen Lucy Schwob und Suzanne Malherbe) führten in den 1930er Jahren ein Leben im Grenzbereich des Gender, auf steter Suche nach sexueller Identität. Sie gehörten in dieser Epoche den zwei aufregendsten Kreisen in Paris an: den Surrealisten um André Breton und den Frauen der „Rive Gauche“, einer Gruppe extravaganter, kosmopolitischer Kreativen.
1925 erschien von Cahun erstmals eine Sammlung von Kurzgeschichten, später ihr autobiographisches lyrisches Hauptwerk sowie fotografische Selbstportraits. Außerdem spielte sie Theater und schrieb für eine Homosexuellenzeitschrift. Breton schätzte sie und attestierte ihr „große magische Kraft“. Dennoch wurde sie nicht so wahrgenommen, wie es ihr gebührt hätte. Die Stimme von Claude Cahun verstieß in jener Zeit dreifach gegen die Sprache der Herrschenden: als Jüdin, als Frau und als Homosexuelle. Sie kämpfte lebenslang gegen die Festlegung und die Freiheit und war politisch engagiert. Schon 1932 kritisierte sie in aller Schärfe den Stalinismus und fertigte dazu ironisch-entlarvende Arbeiten an.
1937 ziehen Cahun und Moore auf die Kanalinsel Jersey, auf der Cahun ihre Kindheitsferien verbracht hatte. Sie kaufen ihr „Ferme Sans Nom“ (Hof ohne Namen) und schließen sich ab 1940 der Resistance an. Als „namenloser Soldat“ schreibt und verbreitet die Elsässerin Cahun nun Gegenpropaganda in deutscher Sprache und surrealistischer Manier.
Auf die Fahne, die sie nachts an der Kirchturmspitze anbringt, schrieb sie: „Jesus ist groß, aber Hitler ist größer. Jesus starb für die Menschen, doch die Menschen sterben für Hitler“. Die Alliierten befreiten die, von den Nazis zu lebenslanger Haft verurteilten, im Mai 1945. Malherbe starb 1972; Cahun selbst verstarb am 8. Dezember 1954 auf der Jersey. Im Friedhof von St. Brelade liegt ihrer beider Grab.
Weiter ausführliche Informationen: http://www.jerseyheritage.org/whats-on/claude-cahun-and-marcel-moore




